Paul Schwingenschloegl

Trumpet/Flugelhorn

Foto: Arthur Bauernfeind

Paul Schwingenschlögl erhielt ab dem achten Lebensjahr Klavierunterricht. Fünf Jahre später brachte ihm sein Vater die ersten Töne auf der Trompete bei. Ausschlaggebend für seine musikalische Entwicklung war ein einjähriger Aufenthalt in den USA 1976-77 als Austauschschüler an der Walt Whitman High School in Bethesda, Maryland. Tägliche Proben mit der High School Big Band, die unter anderem als Vorgruppe für die Buddy Rich Big Band auftrat, und der Besuch vieler Jazz- und Rockkonzerte prägten dieses Jahr.

Zurück in Wien absolvierte er ein Dolmetscher- und Übersetzerstudium (Englisch, Französisch). Parallel nahm er Privatunterricht beim renommierten Trompeter und Komponisten Franz Koglmann und nahm an Workshops mit Mike Mantler, Bill Dixon, George Russell und Gil Evans teil. Gemeinsam mit Hans Steiner, Walter Malli und Jacques Nobili gründete er das Bläserensemble TRANS, für welches seine ersten Kompositionen am Schnittpunkt von Jazz und europäischer Moderne entstanden.

Ein einschneidendes Ereignis auf dem Weg zum Profimusiker war der Auftritt mit der Gil Evans Band beim Jazzfest Wien 1986 an der Seite von Jazzgrößen wie Lew Soloff, George Adams und John Surman.

Ende 1987 zog er nach Westberlin. Schnell kam er in der pulsierenden Mauerstadt in Kontakt mit renommierten Musikern aus der DDR – darunter Johannes Bauer, Ernst-Ludwig Petrowsky, Helmut Forsthoff, Joe Sachse, Klaus Koch –, aber auch mit der Westberliner Szene. Im Januar 1990, unmittelbar nach dem Mauerfall, tourte er mit dem Wiener Gitarristen und Komponisten Alfred Polansky zwei Wochen durch die DDR.

In den 1990er Jahren wirkte Schwingenschlögl als Komponist und Musiker bei verschiedenen Theaterprojekten mit, unter anderem an der Produktion Black Rider im Landestheater Neustrelitz. Vor allem aber widmete er sich intensiv der Zusammenarbeit mit außereuropäischen Musikern. Mit der ägyptischen Band Salamat konzertierte er beim Pirineos Sur Festival Huesca (Spanien) und beim World Roots Festival in Amsterdam. In seiner eigenen Band African Chase Experience experimentierte er mit einer ungewöhnlichen Besetzung: afrikanische Trommler und Sänger, eine dreiköpfige Trompetensektion und exzellente Blues- und Rockmusiker als Rhythmusgruppe. Dieses Ensemble trat unter anderem beim Jazzfestival Chemnitz und beim Jazzfestival Leipzig auf. Weitere Auftritte gab es mit dem Manfred Schulze Bläser Quintett (mit Johannes Bauer, Manfred Hering, Heiner Reinhardt und Gert Anklam), unter anderem beim Jazzfest Berlin 1996.

In den Jahren 2000 bis 2010 arbeitete Schwingenschlögl intensiv mit einigen französischen Musikern wie Jean-Jacques Avenel, Jean-Louis Méchali und Malo Vallois zusammen. Er konzertierte mit verschiedenen Ensembles in ganz Europa. Mit seinem 12-köpfigen Orchester Counterblast trat er unter anderem 2002 beim InnTOENE-Jazzfestival in Österreich auf, mit der Band Takabanda beim Jazzfestival Estate Romana in Rom. Ein weiterer Schwerpunkt war die Zusammenarbeit mit russischen Musikern wie Evgeny und Vladimir Makarov und mit der russischen Band Bloody Kalinka.

Aus der Begegnung mit der Minimal Music Komponistin Catherine Christer Hennix im Jahr 2011 entstand eine intensive Zusammenarbeit. Mit ihrem Ensemble CC Hennix and the Chora(s)san Time-Court Mirage mit Amir ElSaffar, Hilary Jeffery, Elena Kakaliagou und Robin Hayward konzertierte er beim Spectral Festival for Adventurous Music in Berlin, beim Sonic Arts Festival in Amsterdam, beim Ultima Festival 2015 in New York und bei der MaerzMusik 2017 in Berlin.

Mit der indischen Bluesband Chronic Blues Circus spielte er 2013 mehrere Konzerte in der südindischen Stadt Bangalore.

Gemeinsam mit Alfred Polansky realisierte Schwingenschlögl 2016 das Malcolm Lowry Projekt , das im September 2017 sein Debut geben wird.

Ebenfalls 2016 formierte er mit dem Kontrabassisten Udo Betz und dem Gitarristen Jan Weber die Improvisationsband Trialogues.

In den letzten Jahren wandte er sich außerdem der Rockmusik zu, so als Keyboarder und Trompeter der Band Black Rock und als Trompeter der Industrial Rock Band Winterhart.

Schwingenschlögls Werk und Wirken ist gekennzeichnet durch die bewusste Überschreitung von Genregrenzen. Obwohl Modern und Cool Jazz eine wichtige Rolle in seinem Schaffen einnehmen, sieht er sich nicht als Jazzmusiker. Jazz ist für ihn gleichberechtigt mit Genres wie Soul, Funk, Blues, Psychedelic Rock, Weltmusik, zeitgenössischer Musik und freier Improvisation. Formale Festlegungen sind für ihn nur im konkreten Zusammenhang eines Projekts oder Ensembles sinnvoll. Diese Haltung spiegelt sich in der Vielfalt seiner Alben, die musikalisch einen weiten Bogen spannen – von festgelegten Kompositionen für seine größeren Ensembles Counterblast und African Chase Experience bis zu völlig freier Improvisation und Klangexperimenten mit seiner Band Trialogues.

Paul Schwingenschlögl lebt in Berlin.

Auszeichnungen

Kompositionspreis des Landes Niederösterreich 1985

Studiopreis des Senats für kulturelle Angelegenheiten von Berlin 1989

Kompositionsstipendium des Senats für kulturelle Angelegenheiten von Berlin 1996

Studiopreis des Senats für kulturelle Angelegenheiten von Berlin 1999.

Diskografie (Auswahl)

  • Kontrom: Grenzenlos (Extraplatte, 1989)

  • Koch.Drees.Hübner.Schwingenschlögl: Ostkreuz (Blue Song, 1991)

  • Manfred Schulze Bläser Quintett: Konzertino (FMP, 1995)

  • Takabanda: Ora Imprecisa (yvp, 1996)

  • Takabanda: La leggenda del pescatore (JazzForever, 2001)

  • African Chase Experience: Adouna (Bolibana, 2004)

  • Takabanda X: Fructus Spiritus (Konnex, 2007)

  • Abrasaz: Biraminket (jazzwerkstatt 045, 2008)

  • Manfred Schulze Bläser Quintett: Choralkonzert (FMP, 2010)

  • Schwingenschlögl. Gallina. Nemesi: Hang Caravan (morgenland, 2012)

  • Chora(s)san Time-Court Mirage: Live at Issue Project Room (Imprec, 2014)

  • The Malcolm Lowry Project: Songs Between Heaven and Hell (2017)

Als Sideman:

  • Salamat: Nubiana (piranha, 1996)

  • Dr Bajan: Fantasmagoria (Sovietabilly Records, 2006)

  • Mitch Ryder: The Acquitted Idiot (Buschfunk, 2006)

  • Kalkowski: liebesgrüße aus neukölln (RRM, 2012)

  • Mirko Schurig: Clear Ways (Raumer Records, 2012)

  • Winterhart: European Masterplan (Danse Macabre, 2017)

 

On Tour

2017

21.10.       b-flat,  Berlin

30 Jahre – Helmut Forsthoff Quartett

Bebop, Jazz, Modern…
Helmut Forsthoff (ts, as), Paul Schwingenschlögl (tp, flh), Gerhard Kubach (b), Denis Stilke (dr)

28.10.      LeipJAZZig Festival, Leipzig

Manfred Schulze Bläserquintett

04.11.       Jazzfest Berlin   Kirche Hohenzollernplatz

Amir El Saffar und Zinc&Copper

10.11.      Peppi Guggenheim, Berlin

Trialogues

15.11.     Schwarzberg, Wien

The Malcolm Lowry Project

24.11.    Badenscher Hof, Berlin

Mesut Ali& Oriental Connection

26.11.    Körnerpark Zitronencafé , Berlin

Duo Cinema/ Paul Schwingenschloegl, Trumpet; Stefan Fischer, Klavier

2018

21.01. JZ James & The Southsiders

http://www.jzjames.de/

Salonmusik im Zitronencafé im Körnerpark, Berlin

https://www.berlin.de/kunst-und-kultur-neukoelln/veranstaltungen/salonmusik

27.01. Trialogues,  Artenschutztheater, Lüneburger Str. 370, Berlin

http://www.artenschutztheater.de/

31.01. Trialogues,  Ackerstadt Palast, Berlin

08.03. Dernier Métro Cafe K, Sensburger Allee 26, Berlin

http://www.cafe-k.com/

https://www.youtube.com/watch?v=ihHhotRqK5U

09.03. Dernier Métro, Dantras Kulmer Str. 20a, Berlin

https://www.dantras.de/

https://www.youtube.com/watch?v=ihHhotRqK5U:

23.03. Dernier Métro, Café Lyrik, Berlin

http://cafe-lyrik.de/

26.04. Takabanda, Musikinstrumentenmuseum, Berlin

 

http://www.takabanda.de/